Ausstattung der Pfarrkirche

kirche61Die Ausmalung der gesamten Kirche erfolgte im Jahre 1737 durch den Augsburger Barockmaler Christoph Thomas Scheffler (1699 bis 1756). Das Deckenfresko des Langhauses ist dem heiligen Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde gewidmed. Kai        serin Kunidunde hatte 1033 dem Kloster St. Ulrich und Afra zu Augsburg ihr Gut in Todtenweis geschenkt, damit für ihren verstorbenen Gemahl, Kaiser Heinrich II., Seelenmessen gelesen werden.

Auf dem Deckenfresko sehen wir Kunigunde, des Ehebruchs verdächtigt, wie sie vor ihrem unter einem Baldachin sitzenden Gemahl Heinrich die Feuerprobe auf glühenden Pflugscharen besteht. Eine Rauchwolke verbindet Kunigunde mit dem Himmel. Dort winden ihr Engel aus Blumen den Siegeskranz für die Ewigkeit. kirche41Vom Himmel blickt Maria mit dem Jesuskind hernieder. Sie hat das flehentliche Gebet der untadeligen Kaiserin erhört.
Nach dem Romanschriftsteller Heiner Martini habe Regine Pelle, die Braut Schefflers, für die Kunigunde Modell gestanden. Als Abt Coelestin Mayr am Vortag von Allerheiligen 1737 nach Todtenweis gekommen sei, soll er mit Blick auf das Fresko der heiligen Kunigunde gesagt haben: “Ist es nicht ein Segen, dass es so grausliche Gottesurteile heut nicht mehr gibt! Was meint ihr wohl, wie viele von uns ohne Brandblasen da drüberkämen?”

Am Chorbogen sehen wir in lateinischer Sprache den Bibelvers aus dem 1. Timotheusbrief: “Soli Deo honor et gloria” – “Gott allein sei Ehre und Ruhm”.

Die Öffnungsluke zum Dachboden ist mit den Initialen für Jesus
– IHS –
geziert:
“Jesus Heiland Seligmacher”

In den vier Zwickeln des Langhauses sehen wir symbolische Darstellungen der vier Kardinaltugenden. Neben den drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sind die vier Kardinaltugenden Klugheit, Mäßigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit die wichtigsten Tugenden im Leben eines Christenmenschen. Wir sehen die Gerechtigkeit links von der Orgel mit einer Waage in der Hand, die Tapferkeit rechts von der Orgel mit einem Helm auf dem Haupt, die Klugheit rechts vorne mit einem Spiegel, die Mäßigung links vorne mit einem Schöpfgefäß.

Rechst oben im Langhaus sehen wir das griechische Wort “Ecclesia”, d. h. Kirche, links oben das lateinische Wort “Coelum”, d.h. Himmel. Die Kirche, das Haus Gottes, ist gleichsam der Himmel auf Erden. Beim heiligen Meßopfer sind Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit ineinander verwoben und aufgehoben.

kirche27Auf der linken Langhauswand unter der Empore sehen wir zunächst einen Herrgottsruh-Heiland, eine Darstellung, wie sie in unserer Gegend sehr beliebt war wegen der Wallfahrt Herrgottsruh bei Friedberg. Todtenweis gehörte ja bis 1921 zum Dekanat Friedberg.

Danach kommt eine Figur des heiligen Johannes Nepomuk, des Brückenheiligen und des Patron der Beichtväter, der 1720 heilig gesprochen worden ist und zur Erbauungszeit der Kirche überall hoch verehrt wurde-

Danach sehen wir die Kanzel oder den Predigstuhl mit einer Figur des heiligen Apostels Paulus mit dem Schwer auf dem Kanzeldach. Auf der Kanzelrückwand befindet sich ein Gemälde mit Jesus dem guten Hirten, der dem Prediger Vorbild sein soll. An der Kanzelbrüstung sind die Figuren der vier lateinischen Kirchenväter angebracht: Papst Gregor der Große, Bischof Ambrosius von Mailand mit dem Bienenkorb, Bischof Augustinus und der heilige Hironymus. Die Kanzel wird von einem Engel getragen.

kirche30Der rechte Seitenaltar ist der Bruderschaftsaltar. Am 13. April 1760 wurde in Todtenweis unter Pfarrer Sebastian Hueber (1743 bis 1777) die Sebastiani-Bruderschaft eingeführt. 1761 schuf der Maler F. Liebenstein das Altarbild mit dem heiligen Sebastian, von dem die Kranken Heilung und Hilfe erbitten. Ganz oben ist der heilige Franz Xaver dargestellt, der große Jesuit und Indienmissionar, wie er einen Eingeborenen tauft. Links und rechts vom Tabernakel finden wir die Halbfigur der Heiligen Joachim und Anna, der Eltern der Gottesmutter Maria. Auf dem Tabernakel steht eine Marienstatue. Im Maimonat wird hier der Maialtar aufgebaut.

 

kirche31Der linke Seitenaltar ist mit einer Tafel der Kreuzabnahme Christ geziert. Der Maler dieses Bildes ist Matthias Kager. Dieses Bild entstand etwa um 1610 und wurde für die Kapelle St. Simpert in Augsburg hergestellt. Zur gleichen Zeit wie in Todtenweis die Pfarrkirche gemalt wurde, hatte auch Christoph Thomas Schäffler den Auftrag die St. Simpert Kapelle zu renovieren. Damals fanden die Zuständigen das Bild der Kreuzabnahme nicht mehr passend. Und so wurde es abgenommen und in der Todtenweiser Pfarrkirche wieder verwendet. Es wurde teilweise übermalt und bei der Renovierung im Jahre 1976 wieder freigelgt. So kam Todtenweis zu einem ganz besonderen Bildnis. 

Ganz oben ist der heilige Wendelin, ein Bauernheiliger, mit Tieren dargestellt. Links vom Tabernakel ist eine Halbfigur des heiligen Benno, des Patrons Altbayerns, der im Münchner Liebfrauendom beigesetzt ist, und rechts eine Halbfigur des Pfarr- und Kirchenpatrons, des heiligen Ulrich.

An der rechten Langhauswand sind folgende Figuren angebracht: Eine Figur des Heiligen Sebastian, ein Kreuz mit der Schmerzhaften Muttergottes am Fuße des Kreuzes und auf Konsolen die Fuguren des Heiligen Antonius von Padua mit dem Jesuskind und des Heiligen Leonhards. Der Heilige Leonhard weist auf eine frühere Fußwallfahrt nach Inchenhofen hin.

Am Chorbogen stehen auf Konsolen: Die linke Figur stellt Maria als die neue Eva dar, die der Schlange den Kopf zertritt und die rechte Figur zeigt den heiligen Josef mit dem Jesuskind.

deckeDas Deckenfresko im Chor stellt die allerheiligste Dreifaltigkeit dar: Gott Vater, der die Welt erschaffen, Gott Sohn, der die Welt erlöst hat und Gott Heiliger Geist in Gestalt einer Taube, der vom Vater und vom Sohne ausgeht und der Seele eines jeden Getauften innewohnt.
In den Zwickeln des Deckenfreskos im Chor sehen wir die Symbole der vier Evangelisten: hinten ein Engel für den Evangelisten Matthäus, rechts ein Löwe für den Evangelisten Markus links ein Stier für den Evangelisten Lukas und vorne ein Adler für den Evangelisten Johannes.

kirche_1An der linken Chorwand steht die mächtige Gestalt des heiligen Mauritius. Er ist dargestellt als schwarzhäutiger Ritter mit einem Messer in der Hand, da er der Patron der Messerschmiede ist.

Ihm gegenüber an der rechten Chorwand steht die ebenso mächtige Figur des heiligen Florian mit einer Fahne in der Hand.

kirche16Der Hochaltar schließlich zeigt auf dem Altarbild die Kirchenpatrone St. Ulrich und Afra in der Glorie der himmlischen Herrlichkeit. Ganz deutlich ist ein Ulrichskreuz zu sehen, wie es die Wallfahrer vom Grabmal des heiligen Ulrich aus Augsburg mitnahmen zum Schutze ihrer Felder. Die Tafel kirche17stammt von Christoph Thomas Scheffler. Die linke Hochaltarfigur stellt den heiligen Bischof Ulrich dar, der am 4. Juli 973 im Alter von 83 Jahren nach einer Amtszeit von 50 Jahren in Augsburg verstarb. Er wurde in der St.-Afra-Klosterkirche beigesetzt, die seit seiner Heiligsprechung 993 den Doppelnamen St. Ulrich und Afra führt. 30 Jahre danach, im Jahre 1033, schenkte Kaiserin Kunigunde ihren Besitz in Todtenweis diesem Kloster. Die rechte Hochaltarfigur stellt die Heilige Afra dar, die im Jahre 304 zwischen Augsburg und Friedberg den Feuertod erlitten hat.

kirche18Links und rechts vom Hochaltartabernakel stehen Reliquienvasen mit Reliquien der Heiligen Mauritius, Afra, Valentin, Pia, Ulrich und Ursula.

Zur Erbauungszeit der Kirche war der Herz-Jesu-Verehrung weit verbreitet.kirche48 So sehen wir über den Seitenaltären und auf dem Tabernakel des Hochaltares das Herz-Jesu. Eine Herz-Jesu Figur steht neben dem rechten Seitenaltar.

kirche64Der Kreuzweg im Langhaus aus dem Jahre 1912 stammt von Alois Haugg aus Ottobeueren. Die Holzrahmen kamen bei der Innenrenovierung 1975 dazu.

Der Taufstein im Zwickel zwischen Chorbogen und Sakristeitüre stammt von dem Bildhauer Ernst Steinacker aus Wemding. Er kam 1981 in die Kirche. Der Taufstein ist aus einem Block aus Juramarmor gehauen, der Deckel ist aus Goldbronze gefertigt. Die Griffe des Deckels bestehen aus zwei Täubchen, Symbole des heiligen Geistes, der bei jeder Taufe in das Taufwasser hinabsteigt. Auf dem Deckel selber sehen wir ein modernes Relief, das gleichsam die Heilgeschichte der unerlösten Menschheit darstellt. In der Mitte steht Christus. Er ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, der Herrscher der Welt. Zu ihm hin drängen sich die Menschen von unter her hin. Es sind dies die Menschen in ihrer adventlichen Unerlöstheit. Jesus zieht sie voll Erbarmen an sich, er schenkt ihnen durch die Raufe neues Leben. Die in Christus Erlösten schreiten hinauf in die obere Hälfte des Taufsteinsdeckels. So ist das ganze Relief von einer großartigen Dynamik erfüllt: Von der adventlichen Unerlöstheit der Menschheit geht es hinauf in die österlichen Sphären himmlischer Erlöstheit. Auf dem Marmorblock des Taufsteins ist der Psalmvers eingraviert: “Ich will dich lobpreisen, mein Herr und mein Gott”.

Texte und Inhalte aus dem Buch von Pfarrer Reinhold Schwarz “Zur Geschichte der Pfarrei Todtenweis” aus dem Jahre 1988